N T Auslegungen - Überblick

Hingabe unseres Herrn

(Teil  1, Lukasevangelium)   Abschrift: Anita L, M.

 

David Gilliland, Lurgan, Nordirland

Vorträge in Lotstetten und Zürich 2010

(Niederschrift der mündlichen Übersetzung)

 

Die Bibelstellen, die ich Euch heute vorstellen möchte, sind alle im Lukasevangelium - und die Erste ist im Kapitel 9. Wir werden später noch andere  Stellen dazu nehmen, aber für den Moment soll einmal Vers 51 vor uns kommen:

Es geschah aber, als sich die Tage seiner Aufnahme erfüllten, dass er sein Angesicht feststellte, nach Jerusalem zu gehen.

Das Thema, das ich in diesen 4 Abenden behandeln möchte, das ist im Englischen „Commitment“ -  wir haben es auf der Einladung mit Engagement bezeichnet, vielleicht könnte man es auch als Einsatz oder Verpflichtung beschreiben. Engagement ist etwas von sehr grosser Bedeutung in verschiedenen Lebensbereichen. Denken wir nur an den Sport: wenn sich die Menschen nicht einsetzen würden, kämen sie nie auf einen grünen Zweig. Und dasselbe gilt auch für das Geschäftsleben: wer sich da nicht einsetzt, kommt nicht voran. Und dasselbe gilt auch für den Bereich der Politik: wenn ein Politiker sich nicht einsetzt, dann kommt er nie nach oben. Diese drei Dinge: Sport, Geschäft und Politik sind alles Dinge, die vorübergehen. Wir hingegen sind engagiert in Dingen, die für immer Bedeutung haben.

Deshalb sollten wir einen noch grösseren Einsatz für diese geistlichen Dinge - als die Menschen für die anderen Dinge, von denen wir soeben gesprochen haben – zeigen.

An diesem ersten Abend möchten wir über das Engagement des Herrn Jesus reden. Ich möchte das Thema in 3 Teile aufgliedern. Zuerst möchte ich reden über den absoluten Vorrang des Engagements bei Jesus. Und dann der Hauptteil - wird sich beschäftigen mit dem Engagement vom Herrn Jesus ganz allgemein. Und Drittens möchten wir uns über den Standard dieses Engagements unterhalten. Wir dürfen ruhig sagen, dass der Herr Jesus der Mensch auf der Erde gewesen ist, der das grösste Engagement gezeigt hat. Er hatte eine ganz klare Vorstellung von seiner Sendung, seinem Auftrag. Und während seines ganzen Lebens hier hat er nie das Ziel aus dem Auge verloren. Und in diesem Vers haben wir gerade gelesen, dass er sein Angesicht feststellte um nach Jerusalem zu gehen. Das ist ein Rückbezug auf eine Prophezeiung von Jesaja, Kapitel 50. Und in jener Stelle in Jesaja heisst es: „er machte sein Angesicht wie ein Kieselstein“. Es heisst, dass er sich nicht auflehnte, dass er nie zurückwich, er bot seinen Rücken dar denen, die ihn schlugen, und sein Haupt denen, die seine Haare rauften. Ob der Widerstand nun von hinten oder von vorne kam: er wich nicht von seinem Weg ab. In jedem Lebensbereich ist Jesus für uns das vollkommene Vorbild. Wenn wir zum Beispiel wissen möchten, wie ein Evangelist sein sollte, lasst uns einmal Jesus anschauen. Wenn wir wissen möchten, wie ein Lehrer sein sollte, dann blicken wir auf Jesus. Wenn wir wissen möchten was ein wahrer Hirte ist, dann blicken wir auf Jesus. Und wenn es dann schliesslich um diese Sache des Engagements geht, des Einsatzes, dann wiederum sehen wir auf Jesus. Sein Engagement war unveränderlich. Was wir nun tun möchten, ist anhand  anderer Schriftstellen des Lukas-Evangelium zu sehen, wie Jesus in verschiedenen Stellen Engagement zeigte.

Dieser Einsatz ist in einem speziellen kleinen Wort deutlich zum Ausdruck gebracht. An verschiedenen Stellen hier im Lukas-Evangelium sagt Jesus: ich muss. Sein ganzes Leben stand unter einem grossen Befehl. Es gab nichts Unbestimmtes, nichts Zufälliges in seinem Leben. Jeden Tag, den er lebte, war für ihn göttliche Notwendigkeit. Für Jesus hiess es nicht: ich könnte oder ich möchte, sondern ich muss. Wenden wir uns nun zu dem Ersten „ich muss“ im Kapitel 2 dieses Evangeliums.

Lukas 2, Verse 46 bis 50: „Und es geschah, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel, wie er inmitten der Lehrer sass und ihnen zuhörte und sie befragte. Alle aber, die ihn hörten, gerieten ausser sich über sein Verständnis und seine Antworten. Und als sie ihn sahen, erstaunten sie; und seine Mutter sprach zu ihm: Kind, warum hast du uns also getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ist es, dass ihr mich gesucht habt? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen redete.“

Das ist ein schönes Beispiel, wie Jesus als ein junger Mann, fast noch ein Kind, sich völlig dem Willen des Vaters hingegeben hat. Ihr seid ja alle bekannt mit den äusseren Umständen: es handelte sich um das jüdische Passah-Fest. Es war eine Zeit von grosser Begeisterung, speziell für junge Leute. Sie kamen aus allen Richtungen des Landes und trafen sich in Jerusalem. Eine ganze Woche lang feierten sie religiöse Anlässe. Für die meisten der jungen Leute war das gerade genug. Als die sieben Tage dann vorüber waren, gingen alle wieder glücklich nach Hause. Aber der Herr Jesus ging nicht nach Hause. Und seine Eltern dachten er befände sich unter der Reisegruppe, die wieder zurückging. Sie waren total beunruhigt, als sie ihn dann nicht fanden in dieser Gruppe. Schliesslich nach drei Tagen kehrten sie dann zurück nach Jerusalem, wo sie ihn dann fanden. Wo war der junge Mann, der Zwölfjährige? Ging er zu einer Vergnügungsstätte? Oder ging er an einen Sportanlass? Man kann ja sicher fragen: was wäre einem Jungen von zwölf Jahren lieber gewesen. Schliesslich sind Teenager eben Teenager. Man kann ja von einem Zwölfjährigen nicht erwarten, dass er das Leben  so ernst nimmt. Siehe, in der Mitte von den Theologen und den Lehrern - da war Jesus anzutreffen. Er stellte ihnen Fragen, und er wartete gespannt was sie ihm antworteten. Diese Umgebung behagte ihm sehr. Wo andere Zwölfjährige das Spiel suchten, untersuchte Jesus die Heiligen Schriften. Und das war dann auch die Erklärung, die Jesus seinen Eltern gab. Sie waren wirklich sehr erstaunt, ihn dort im Tempel zu finden. Aber er sagte zu ihnen: ihr solltet doch gar nicht überrascht sein. Er sagte, ich muss doch in dem sein, was meines Vaters ist. Die Angelegenheit seines Vaters hatte in dem Leben Jesu absolute Vorrangstellung. Hier handelt es sich um die einzige Begebenheit aus den Jahren des Lebens von Jesus, über die uns sonst nichts berichtet wird. Und es ist eine sehr, sehr aufschlussreiche Begegnung. Denn es zeigt uns, mit welcher Hingabe sich dieser zwölfjährige Knabe der Sache seines Vaters hingegeben hat. Wir dürfen Euch sagen: die beste Zeit um zu entscheiden, wem unser Einsatz gelten soll, das sind die Jugendjahre. Wenn jemand hier ist, der sich erst neulich bekehrte, dann möchte ich ihm den Rat geben: mache die Sache des Vaters zu Deiner ersten Priorität.

Viele Christen nehmen das Christsein heutzutage ziemlich locker. Für manche ist das Christentum ein Hobby. Für andere ist es einfach ein Zeitvertreib. Wir aber, wir sollten eine totale Hingabe zeigen für die Sache des Vaters im Himmel. Es ist wirklich eindrücklich zu sehen, dass das einzige Bild, das uns die Bibel über seine Jugend zeigt, ist Jesus als Student, als Schüler. Daraus möchte ich ableiten, dass jeder junge Mensch der Jesus gehört, sich entschliessen soll, dem Studium der Schriften den absoluten Vorrang zu geben. Das beste Engagement wird umschrieben mit den zwei Worten: ich muss. Nehmen wir nun noch ein zweites Kennzeichen dieses Engagements im Kapitel 4, da lesen wir in Lukas 4 die letzten drei Verse:

„Als es aber Tag geworden war, ging er aus und begab sich an einen öden Ort; und die  Volksmengen suchten ihn auf und kamen bis zu ihm, und sie hielten ihn auf, dass er nicht von ihnen ginge. Er aber sprach zu ihnen: Ich muss auch den anderen Städten das Evangelium vom Reiche Gottes verkündigen, denn dazu bin ich gesandt worden. Und er predigte in den Synagogen von Galiläa.“

Hier haben wir ein zweites Schlaglicht auf sein Engagement. Es steht im Zusammenhang mit der Predigt. Der Herr Jesus hat ihnen gesagt, ich muss auch den anderen Städten das Reich Gottes predigen oder verkündigen. Zu diesem Zeitpunkt, von dem es hier handelt, war sein Auftritt in Galiläa schon sehr populär. So, dass die Leute ihn sogar baten bei ihnen in ihrem Dorf zu bleiben. Er hatte bereits schon so viele Wunder gewirkt - und nun wollten sie noch  mehr Wunder von ihm sehen. Aber das war nicht der Hauptauftrag von Jesus, dass er Wunder tat.  Jesus hat an dieser Stelle eben nicht gesagt: ich muss Wunder vollbringen, sondern er hat gesagt: ich muss predigen. Jesus ist nicht in diese Welt gekommen mit einem sozialen Auftrag. Denkt nur einmal, wie beliebt Jesus geworden wäre, wenn er zum Beispiel ein Spital gebaut hätte. Aber seine Sendung war nicht sozial, sondern geistlich. Und selbst, als die Leute ihn baten dazubleiben, sagte er: ich muss in das nächste Dorf. Er sagte: ich muss das Wort verkündigen. Also haben wir hier eine zweite Marke dieses Einsatzes: nicht nur das Studieren des Wortes, sondern ebenso das Predigen des Wortes. Und so ging Jesus in die anderen Dörfer, und dort in die Synagogen, und predigte.

Die Welt, in der wir uns heute befinden, hat die Sicht verloren für die Wichtigkeit der Predigt. Einige benützen das Powerpoint um die Botschaft weiterzugeben, Andere mit Tänzen und Theater - aber der Herr Jesus predigte. Und zwar nicht als ein Teilzeiter und nicht als etwas Zweitrangiges. Ihm oblag eine göttliche Notwendigkeit. Und derselbe Herr und Heiland - der damals sagte: ich muss in dem sein was meines Vaters ist -, sagte später hier an dieser Stelle: ich muss das Wort verkündigen. Darf ich Euch fragen: Fühlt Ihr Euch dem verpflichtet, das Wort zu predigen? Ich bin mir natürlich darüber klar, dass nicht jeder Christ ein Evangelist ist, aber jeder Christ ist mitverantwortlich dafür, dass das Evangelium verbreitet wird. Die Welt braucht diese Botschaft. Wir haben die Botschaft von einem Heiland. Und unser Vorrecht und unsere Pflicht ist es, diese Botschaft weiterzugeben. So war der Herr Jesus total im Einsatz für die Predigt des Wortes. Und gerade als der Herr Jesus im Begriff war, in den Himmel zurückzugehen, gab er den Jüngern den Befehl, hinzugehen und das Evangelium zu predigen allen Nationen.

Gehen wir nun zu dem dritten Punkt bezüglich seiner Hingabe. Wir lesen drei Schriftstellen dazu. Die erste ist Vers 22 im Kapitel 9:

„Er aber bedrohte sie, und gebot ihnen, dies niemand zu sagen, und sprach: Der Sohn des Menschen muss vieles leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten, und getötet und am dritten Tage auferweckt werden.“

Hast Du auch hier gemerkt, dass wieder dieses „ich muss“ vorkommt?

Dann Kapitel 17, Vers 25: „Zuvor aber muss er vieles leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht.“

Wir haben hier wieder ein „Muss“ im Zusammenhang mit seinem Leiden. Und das dritte Muss in diesem Zusammenhang finden wir in Kapitel 22, Vers 37:

„denn ich sage euch, dass noch dieses, was geschrieben steht, an mir erfüllt werden muss: „Und er ist unter die Gesetzlosen gerechnet worden“; denn auch das, was mich betrifft, hat eine Vollendung.“

Das ist eine interessante Sammlung von drei Bibelversen. Kein Mensch will gern leiden. Natürlicherweise schrecken wir zurück vor den Leiden. Wir machen diesen oder jenen Kompromiss, wenn es möglich ist den Leiden auszuweichen. Aber der Herr Jesus wich nie zurück vor den Kosten und den Schmerzen die sein Leiden brachten. Wir können jetzt nicht auf die Einzelheiten der verlesenen Verse eingehen, aber Jesus betont mit Nachdruck, dass es geschehen muss, dass er überliefert, getötet und auferweckt werden muss. Wir dürfen nie erwarten, dass das Christentum leicht ist. Wir haben eine Lebensverbindung mit dem Erretter, den diese Welt verworfen und getötet hat. Und wir alle wären heute Abend nicht hier, wenn Jesus nicht diese totale Bereitschaft gehabt hätte, ans Kreuz zu gehen. Und in den verflossenen Jahrhunderten, seit Jesus hier auf der Erde war, hat es viele Menschen das Leben gekostet, dass sie sich treu dem christlichen Glauben hingegeben haben. Wenn er sein Leben für uns gegeben hat, so sollten wir nicht weniger geben. Hoffentlich haben wir verstanden,  welches die drei Merkmale diese Hingabe unseres Herrn Jesus Christus sind. Ein Engagement bezüglich der richtigen Priorität in unserem Leben. Und ein Engagement, ein Einsatz, für die Predigt, die Verkündigung des Wortes, des Evangeliums. Und eine Bereitschaft, für den Glauben zu leiden.

Was kostet Dich Dein Einsatz für den Herrn? Vielleicht kostet es Dich Freunde. Es kann Popularität, Beliebtheit kosten. Es kann sogar das Leben kosten. Der Herr Jesus hat diesen Preis bezahlt lange vor uns. Gehen wir nun noch zu dem vierten Punkt bezüglich seines Einsatzes. Und das bringt uns ins Kapitel 13, da lesen wir die Verse 31 bis 33:

„In derselben Stunde kamen einige Pharisäer herzu und sagten zu ihm: Geh hinaus und ziehe von hinnen, denn Herodes will dich töten. Und er sprach zu ihnen: Gehet hin und saget diesem Fuchs: Siehe, ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute  und morgen, und am dritten Tage werde ich vollendet. Doch ich muss heute und morgen und am folgenden Tage wandeln; denn es geht nicht an, dass ein Prophet ausserhalb Jerusalems umkomme.“

In diesem ganz speziellen Zeitpunkt diente Jesus im Gebiet des Herodes. Und Herodes war der Gentleman, der Johannes dem Täufer den Kopf abgenommen hat. Und nun stösst er eine Drohung aus gegen Jesus. Was das bedeutete, war: Ich habe Johannes getötet, und wenn Du nicht verschwindest, dann töte ich auch Dich.  Und was tat Jesus, als er diese Drohung vernahm? Es wäre sehr leicht gewesen, in eine Nachbar-Provinz zu gehen. Aber das wäre Feigheit gewesen und nicht Hingabe. Und das war die Antwort, die Jesus gab: ich muss heute und morgen und am dritten Tag hier wandeln. Nein, der Herr Jesus lief nicht davon. Es gab Schwierigkeiten, es gab Probleme. Und oft wäre es das Leichteste, wenn Schwierigkeiten auftauchen, ihnen einfach aus dem Weg zu gehen. Es kann Umstände geben, wo wir uns bewegen müssen. Aber wir müssen uns darüber Rechenschaft ablegen, dass unser Weggehen nicht ein Kompromiss ist. Gott zu dienen in dem Regierungsbereich von Herodes war keineswegs eine leichte Sache. Aber der Herr Jesus sagte: Hier bin ich und hier bleibe ich. Und er sagte: ich bleibe hier, heute und morgen und auch am dritten Tag. Er sagte: ich muss wandeln. Sein Weg war der Weg, der von göttlicher Notwendigkeit bestimmt wurde.

Vielleicht gibt es unter Euch einen Gläubigen, eine Gläubige, der unter sehr schwierigen Umständen dem Herrn dient. Vielleicht hat der Eine oder Andere im Geheimen gewünscht, er könnte einmal fort. Der beste Platz, wo ihr hinkommen könntet, wäre Nordirland. Aber es ist sehr wohl möglich, dass der Herr gerade will, dass Du dort bleibst, wo Du gerade bist. Dein Weg mag sehr wohl hier sein. Heute und morgen, und am dritten Tag. Das heisst heute und morgen - bis der Herr kommt. Wenn das sein Programm ist für Dich: hast Du den Mut diesen Einsatz zu zeigen? Das ist also ein weiteres Merkmal der Hingabe: da stehen zu bleiben, wo der Herr Dich haben will. Wir leben ja heute in einer Welt der äussersten Mobilität. Die Leute wollen  heute immer unterwegs sein. Aber manchmal  ist die grösste Herausforderung im Leben, da zu bleiben wo Du bist und Dein Leben dem Herrn zu weihen. Das ist die Herausforderung wahrer Hingabe.

Nun kommen wir zum  fünften „Muss“ im Lukas-Evangelium. Und das bringt uns zu Kapitel 19. Das ist eine Stelle die uns allen gut bekannt ist. Und dazu lesen wir Vers 5 und Vers 6:

 „Und als er an den Ort kam, sah Jesus auf und erblickte ihn und sprach zu ihm: Zachäus, steige eilends hernieder, denn heute muss ich in deinem Hause bleiben. Und er stieg eilends hernieder und nahm ihn auf mit Freuden.“

Das ist das Muss des Zöllners. Das ist das Muss der Vergebung. Das war eine totale Überraschung für Zachäus, dass Jesus ihm sagte: ich will zu Dir kommen. Aber der Herr Jesus war sehr entschieden, er sagte: ich muss bei Dir bleiben. Das war ein göttlicher Imperativ. Es gab viele, viele Menschen in Jericho, die wollten unter keinen Umständen durch die Tür eines Zöllners durchgehen. Ein Zöllner war eine verachtete Person. Und das Haus eines Zöllners wurde als unreiner Boden betrachtet. Das Haus eines Zöllners war der Ort, wo unsauberes, schmutziges Geld des Volkes gehandelt wurde. Und dennoch war Jesus entschieden, in dieses Haus zu gehen. Teil seines entschiedenen Vorsatzes war zu den Unberührbaren zu gelangen. Und  in dieser Stelle sagt er uns genau, weshalb er in das Haus des Zachäus gehen wollte. Er sagte: der Sohn des Menschen ist gekommen zu suchen und zu retten, was verloren ist. Das ist der Grund, weshalb Jesus in dieses Haus ging: um das Verlorene zu suchen. Wir sollten den gleichen Vorsatz haben. Wir haben oftmals eine sehr enge Sicht. Gerade wir als Christen können leicht vergessen, was es heisst hinauszugehen um die Verlorenen zu erreichen.  Wir sollten Sorge tragen um unsere eigene Familie. Aber ebenso  sollten wir uns Gedanken  machen um die Verlorenen draussen, um sie für Jesus zu gewinnen. Ein Teil unseres christlichen Einsatzes besteht  darin, jene Menschen zu erreichen.

Ich darf nicht dogmatisch sein, aber ich möchte jetzt doch noch etwas sagen. Ich denke, Jesus verbrachte eine ganze Nacht im Haus von Zachäus. Und ich denke auch, es war die Nacht von Freitag auf Samstag. Und ich denke auch es war die letzte Nacht, die Jesus unter einem Dach verbrachte, bevor er nach Golgatha ging. Gerade dieses Evangelium sagt uns, dass es keinen Platz für Jesus gab, als er geboren wurde. Und es ist dasselbe Evangelium, das uns sehr wahrscheinlich sagt, dass das letzte Schlafzimmer, in dem Jesus schlief, im Haus des Zachäus war. In der folgenden Woche schlief er auf dem Ölberg unter offenem Himmel. Und wenn das so ist, dann bekommen diese Worte, die Jesus dem Zachäus gesagt hat, eine ganz besondere Bedeutung: ich muss in Deinem Haus bleiben. Und wenn jemand 5 Jahre später bei Zachäus zu Besuch gewesen wäre, dann hätte er gesagt:  das ist der schönste Raum in meinem Haus. Wahrscheinlich meinte er damit nicht das Mobiliar und überhaupt die Ausstattung. Aber er würde dem Menschen gesagt haben: das ist das Zimmer, wo Jesus schlief, bevor er in den Tod ging. Habt ihr etwas in Eurem Leben, das für den Dienst Christi zur Verfügung steht? Vielleicht ist es kein Schlafzimmer. Vielleicht sind es 100 Euro. Vielleicht auch 1000 Euro. Oder vielleicht einen VW. Das heisst: mit einer Gesinnung der Hingabe können wir immer etwas finden, was wir einsetzen können für den Herrn. Manchmal haben die Leute die irrige Vorstellung, Christ zu sein, bedeute Sensationelles zu tun. Aber wirkliche Hingabe kann so einfach sein, dass es genügt, ein Zimmer zur Verfügung zu stellen. Wie immer es auch sein mag, es war wunderbare Gnade des Herrn Jesus, dass er bereit war, diese Nacht im Haus des Zachäus zu verbringen.

Und damit kommen wir nun zu der Schlussbetrachtung, der Hingabe des Herrn Jesus.

Da lesen wir in Kapitel 24 den Vers 44:

„Er sprach aber zu Ihnen: Dies sind die Worte, die ich zu euch redete, als ich noch bei euch war, dass alles erfüllt werden muss, was über mich geschrieben steht in dem Gesetz Moses‘ und den Propheten und Psalmen.“

Das ist das letzte Muss im Lukas-Evangelium. Der Herr Jesus macht uns damit vertraut, dass sein Leben unter der Autorität der Schrift stand, und er lebte so, dass sich in seinem Leben alle Schrift erfüllte. Und selbst als Jesus am Kreuz anrief: „mich dürstet“, rief er das, damit eine ganz konkrete Schriftstelle erfüllt wurde. So wie er es sah, war das einfach ein Muss, dass die Schriften erfüllt wurden. Als Jesus sein Leben auf dieser Erde beschloss, tat er das im Bewusstsein, dass jede Stelle der Heiligen Schrift, die ihn betraf, in Erfüllung gegangen war. Wir sind dafür natürlich sehr dankbar. Paulus hat gesagt, dass das Evangelium nach den Schriften, das wir verkündigen, ist: „Jesus Christus starb für unsere Sünden“. Nicht nur einfach, dass Jesus starb. Auch nicht nur, dass Jesus für unsere Sünden starb. Sondern Jesus starb für unsere Sünden nach den Schriften. Als Jesus starb, war jede Schriftstelle in Erfüllung gegangen und das Heil für uns erstritten.

Ist das denn nicht der absolut wichtigste Teil der Hingabe?

Erfüllt sich die Schrift in Deinem und in meinem Leben? Nehmen wir die Schriften aus den Seiten der Bibel und übertragen sie in das alltägliche Leben? Ich nehme nicht an, dass es hier so ist, wie ich es angetroffen habe an vielen anderen Orten: dass Christen die Bibel auf die sehr leichte Schulter nehmen. Wir sollten der Bibel, den Schriften, absolut verpflichtet sein. Und das nicht nur um die Schriften zu studieren, sondern auch um die Schriften zu praktizieren.

Dann würde ich jetzt zusammenfassen und dann abschliessen. In Lukas, Kapitel 2, haben wir gesehen, dass es diesen ganz speziellen Vorrang bei Jesus gab, in dem zu sein, was seines Vaters ist. Zweitens hatte er diese Verpflichtung, diesen Einsatz, das Wort zu predigen. Drittens hatte er sich ganz eingegeben um zu leiden. Und Viertens hatte er eine ganz klare Vorstellung und den Willen, den Weg zu gehen – ich kann nicht fortlaufen. Fünftens nahm er die Verpflichtung auf sich, diesem Zöllner das Evangelium zu bringen. Und Sechstens hat er die Verpflichtung auf sich genommen, alles, was die Schrift über ihn gesagt hatte, zu erfüllen.

Dann gibt es auch drei Muss im Johannes-Evangelium. Aber jetzt bin ich wiederum der Uhr verpflichtet, und kann diese drei Muss nicht mehr erwähnen. Was wir daraus lernen wollen,  ist, dass wir als Gläubige eigentlich die Verpflichtung haben, diesen Einsatz, diese Hingabe zu zeigen, wie sie Jesus gezeigt hat.

Herzlichen Dank für Eure freundliche Aufmerksamkeit.