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UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

                    Mirjams Aussatz. 4. Mose 12. Einst klagte Gott, daß Sein Volk ein widerspenstiges Volk sei, welches nach seinen eigenen Gedanken wandelte und Ihn beständig reize. (Jes. 65,2.3.) Alle, welche Gott zum Dienst an diesem Volke berief, mußten diese schmerzliche Wahrheit erfahren. Das angeführte Kapitel ist hierfür ein Beispiel und enthält eine Fülle von Belehrungen für alle, die dem Volke Gottes angehören. Im vorhergehenden Kapitel finden wir das Volk müde der Wüstenwanderung, es „beklagte“ sich, es weint und will zurück nach den Fleischtöpfen Ägyptens. Jedes Auflehnen gegen Gott war auch ein Auflehnen gegen Mose, durch welches er gereizt und auf die Probe gestellt wurde. So lesen wir Ps. 106,32.33, daß sie Seinen Geist derart reizten und Seinen Zorn herausforderten, daß er „unbedacht mit seinen Lippen redete“ und es „ihm übel erging ihretwegen“, sodaß er nicht in das Land eingehen durfte. So entmutigend die Dinge im elften Kapitel für Mose auch sein mochten - das Verhalten Mirjams und Aarons ihm gegenüber war weit schmerzlicher. Hier war es nicht das Volk, sondern seine eigenen Geschwister und Gehilfen, die wider ihn auftraten. Zum Anlaß ihrer Auflehnung nahmen sie seine Ehe mit einem kuschitischen Weibe. Der wahre Grund aber war Eifersucht und Neid. Sie wollten Mose gleichgestellt sein. Ihre Worte: „Hat Jehova nur mit Mose allein geredet? Hat Er nicht auch mit uns geredet?“ zeigen uns dieses. Um aber diese bösen Dinge in ihrem Herzen zu verdecken, benutzten sie seine (wie sie meinten) unpassende Verbindung mit dem kuschitischen Weibe. Mit einem gewissen Schein des Rechtes sagten sie: „Hat Jehova nur mit Mose allein geredet?“ Sicher hatte Gott in Seiner Gnade auch mit ihnen geredet. Sie aber nahmen die ihnen verliehene Gnade, um sich Mose (dem Gott Größeres verliehen und einen besonderen Platz in der Mitte Seines Volkes gegeben hatte) gleichzustellen. Ihr Verhalten war in Wirklichkeit ein Beiseiteschieben der Rechte des HErrn, die Gaben und Plätze in Seinem Hause zu verleihen, wie Er will. Er gab Mirjam und Aaron ihren bestimmten Platz, und Er gab Mose seinen Platz, und Er gibt heute Seinen Knechten bestimmte Plätze und Aufgaben in Seiner Gemeinde. Er ist der HErr. Er setzt die Glieder an Seinem Leibe, wie Er will, und wir haben Seine Rechte anzuerkennen. Jede Gabe, jeder Dienst, den wir tun dürfen, ist nur eine uns verliehene Gnade. Möchten wir das nie vergessen! Das, was hier bei Mirjam und Aaron als ein berechtigter Eifer für die Gleichstellung unter dem Volke Gottes schien, war nichts anderes als ein Auflehnen gegen die Rechte Jehovas. Mirjams Name wird zuerst genannt. Sie steht im Vordergrund. Dem Verlaufe nach scheint sie die Anstifterin in dieser traurigen Sache gewesen zu sein, während Aaron sich mehr durch sie hinreißen ließ, so wie er sich auch einst von dem Volke in der Sache des goldenen Kalbes hatte hinreißen lassen. Mirjam ist eine Warnung für Schwestern, sich nicht in Ehesachen und in die Sachen der Brüder zu mischen, und Aaron eine Warnung für Brüder, die wie er von Gott als Mund gebraucht werden, nicht in Abhängigkeit und unter die Einflüsse von Weibern zu geraten. Wir finden nicht, daß Mose auf alles, was gegen ihn geredet wurde, ein Wort erwiderte oder sich rechtfertigte. Aber es wird uns gesagt: „Der Mann Mose war sehr sanftmütig, mehr als alle Menschen, die auf dem Erdboden waren“. Warum berichtet uns der Heilige Geist dieses gerade hier in diesem Zusammenhang? Ist es nicht, weil Gott in dieser Sache seine Sanftmut sah? Er trug hier etwas von dem Wesen Dessen, der da sagt: „Lernet von Mir, denn Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“. Ein sanftmütiger Geist kann nicht beleidigt werden, er trägt das Böse, ohne zu klagen und sich zu rechtfertigen. Dies ist einer der Züge, die den Knecht des HErrn kennzeichnen sollen. Die Schrift sagt, er soll gegen alle milde sein, lehrfähig und Böses (gegen sich) ertragen können usw. (Vgl. 2. Tim. 2,24.25.) Mose überließ die Sache seinem Gott, und es ist köstlich zu sehen, wie Gott ihn rechtfertigt. Das erste, was uns in dieser Sache von Gott gesagt wird, ist: „Jehova hörte es“. Gott achtet auf uns und hört uns, sowohl wenn wir uns unterreden und Ihn fürchten (Mal. 3,16), wie auch, wenn wir wie Thomas im Unglauben sagen: „Ich will's nicht glauben“ (Joh. 20,25), oder wenn wir töricht handeln wie Mirjam und Aaron wider unsere Brüder. Stets ist Er uns nahe und hört uns. Fassen wir es recht ins Herz! Plötzlich fordert der HErr die drei in Seine Gegenwart. So kann der HErr uns plötzlich in Seine Gegenwart rufen! Als Er dann in der Wolkensäule erscheint, sondert Er Mirjam und Aaron von Mose ab. Nur mit ihnen, nicht mit Mose, hat Er zu reden. Sie hatten gesündigt, nicht Mose. Mose soll Zeuge seiner Rechtfertigung durch den HErrn sein. Sie hatten wohl die Treue Moses (in seiner Ehe) wie auch den besonderen Platz, den Gott ihm in der Mitte seines Volkes gegeben hatte, angefochten und sich in ihrer Frage: „Hat Gott nur mit Mose allein geredet“ ihm gleichgestellt. Jetzt sagt ihnen Gott, daß Mose treu war in seinem ganzen Hause und auch, daß er einen besonderen Platz von Ihm empfangen habe, indem Er mit ihm nicht wie mit einem Propheten durch Gesicht und Traum rede, sondern von Mund zu Mund. Mose allein „schaute das Bild Jehovas“, mit ihm redete Er „von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann redet mit seinem Freunde“. Diese Worte Jehovas erinnerten sie an die Tage des goldenen Kalbes. Damals war es, als alle sahen, daß er „das Bild Jehovas schaute“ und Gott „von Mund zu Mund“ mit ihm redete. Wie mußten diese Worte jetzt sie beschämen und daran erinnern, daß sie untreu waren, als er treu war. Wo waren sie damals, als er allein im Tore des Lagers stand und rief: „Her zu mir, wer für Jehova ist“? Von Josua konnte Gott sagen, daß er nicht wich aus dem Inneren des Zeltes. Hätte Aaron nicht dort sein sollen, statt bei dem Kalbe? (2. Mose 32,26 und 33,10.11.) Mit welcher Gewalt wurden ihre Gewissen berührt, als Gott fragte: „Warum habt ihr euch nicht gefürchtet, zu reden wider Meinen Knecht, wider Mose?“ Ja, warum hatten sie sich nicht gefürchtet? Er stand ihnen als Verwandter zu nahe, und Selbst-Wichtigkeit und Selbst-Wertschätzung hatte ihr Herz so geblendet, daß sie seine hohe Berufung nicht mehr sahen und seine Treue vergessen hatten. Gott aber hatte sie nicht vergessen. Mose war nicht ohne Fehler. Jakobus sagt: „Wir alle straucheln oft“. Gott aber nannte ihn Seinen Knecht. Es ist etwas Ernstes, gegen einen Knecht des HErrn zu reden. Das lehrt uns diese Geschichte und die Frage des HErrn, warum sie sich nicht gefürchtet hätten. Und damit wir vorsichtig seien, ermahnt uns der HErr: „Wider einen Ältesten nimm keine Klage an, außer bei zwei oder drei Zeugen“. (1. Tim. 5,19.) Der Zorn Jehovas entbrannte jetzt wider Mirjam und Aaron. Er ging von ihnen weg und ließ Sein Gericht zurück. Den Aussatz der sündigen Gedanken und Dinge, den Mirjam längst in ihrem Herzen trug, den deckte Gott jetzt durch den sichtbaren Aussatz auf. Sie, die einst den Gesang der Weiber Israels geleitet hatte, sie war jetzt eine Aussätzige. Das Gericht an Mirjam öffnete Aaron sofort die Augen über seine Sünde, und innerlich zerschlagen demütigt er sich vor Mose und bittet, ihnen ihre Sünden nicht zu behalten: „Ach, mein Herr, lege doch nicht Sünde auf uns, daß wir töricht gewesen und daß wir gesündigt haben“. Er nennt die Sache mit ihrem richtigen Namen: „Sünde“ und bekennt seine volle Einheit mit Mirjams Sünde und mit Mirjams Strafe. Er entschuldigt sich nicht, noch versucht er, seine Schuld durch Abwälzung auf Mirjam zu verkleinern. Offen, mit zerschlagenem Herzen beugt er sich unter Gottes Gericht und bekennt seine und Mirjams Sünde. Wir wissen nicht, was bei diesem gewaltigen Eingreifen Gottes in der Seele Moses vorging, aber welch unauslöschlichen Eindruck die Rechtfertigung und Vergeltung durch den HErrn auf ihn gemacht hatte, das zeigt sein Gesang kurz vor seinem Tode, in welchem er von Jehova sagt: „Mein ist Rache und Vergeltung“. An dieses Wort Moses anknüpfend, ermahnt uns Paulus: „Rächet nie euch selbst, Geliebte, sondern gebet Raum dem Zorn; denn es steht geschrieben: Mein ist die Rache, Ich will vergelten, spricht der HErr.“ (5. Mose 32,35; Röm. 12,19.) Wieviel besser ist es doch, wenn Gott uns rechtfertig, als wenn wir uns rechtfertigen! Kein Nachtragen ist in dem Herzen Moses. In dem Geiste des Erbarmens schreit er: „O Gott, heile sie doch“. Und damit löste er ihre Sünde. Gott antwortet sofort auf das Bekenntnis ihrer Sünde und auf die Fürbitte dessen, gegen den sie gesündigt hatten. Seine Antwort aber ist mit einer scharfen Zurechtweisung verbunden: „Hätte ihr Vater ihr etwa ins Angesicht gespien, sollte sie sich nicht schämen sieben Tage?“ Sie, die mit Mose hatte gleichgestellt sein wollen, verglicht Gott mit einem Mädchen, welchem sein Vater wegen Ungebühr ins Angesicht gespien hat. Ein solches sollte sich wegen seines Schimpfes sieben Tage verbergen. Mirjam hatte nicht allein gegen Gott gesündigt, sondern auch gegen Mose, und deshalb ordnete Gott es an, daß sie vor den Augen des ganzen Volkes sich ihrer Sünde (als eine, der ins Angesicht gespien sei) sieben Tage schämen solle. So mußte sie sieben Tage außerhalb des Lagers bleiben, alsdann konnte sie wieder in die Mitte des Volkes Gottes aufgenommen werden. So sagt Gott auch uns, wenn jemand sündige und er seine Sünde bekenne, daß Er dann treu und gerecht sei, die Sünde zu vergeben und zu reinigen von der Ungerechtigkeit. (1. Joh. 1,9.) Aber es mag sein, daß, obwohl nach dem aufrichtigen Bekenntnis die Sünde vergeben ist, ein solcher doch gewisse Folgen seiner Sünde tragen und (wie Mirjam) eine Zeit außerhalb der Gemeinde sein muß, obschon er sowohl die Vergebung des HErrn wie auch dessen, gegen den er gesündigt hat, besitzt. Diese sieben Tage waren für Mirjam Tage des Selbstgerichts im Lichte der Heiligkeit Gottes, die das Werk der Wiederherstellung in ihrer Seele zu vollenden hatten und darum ihrer Aufnahme in die Gemeinde Israel vorausgehen mußten. Die ganze Gemeinde litt unter Mirjams Sünde und Wiederherstellung. Die Reise wurde nicht eher fortgesetzt, als bis die Sache erledigt war. Wir könnten viele Beispiele anführen, wie durch Untreue und Sünde einzelner Gottes Volk aufgehalten wurde. Als z. B. Achan sündigte, konnte das Volk keine Siege mehr feiern und den Kampf nicht eher wieder aufnehmen, bis es sich von dem Bösen gereinigt hatte.