Suche

UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

 Das Buch der Richter

(Charles Andrew Coates)

Kapitel 6    mp3

Midian ist der Feind in diesem Kapitel, es war ein der Natur nach verwandtes Volk. Nichts kann uns ärmer machen als der Einfluss von Menschen, mit welchen wir der Natur nach etwas Gemeinsames haben, denn unsere eigenen Verwandten können uns ein größerer Fallstr

...

BBKR.chbibellehre.chbibelkommentare.debibelstudium.debibelkreis.chunterredungen.chbibelindex.debibelwork.deStempBiblecentreATNTSinget dem Herrn

Home Bibelkreis.ch

Wie sollen wir mit Charismatikern umgehen ?

von Fritz Wolf

Anlass, Motivation

Ich werde immer wieder nach Reaktionen auf mein Buch (Warum ich kein Charismatiker mehr bin) bzw. dem Artikel: "7 Fragen, die sich jeder Charismatiker stellen sollte" gefragt. Im Großen und Ganzen erfahre ich Bestätigung von denen, die sich ebenso wie ich Sorgen über die Entwicklungen in der charismatischen Bewegung machen bzw. sich nie mit ihr identifizierten. Ebenso erfahre ich Widerspruch von Charismatikern, aus denen leider nur zu selten eine fruchtbare Diskussion entsteht. So werde ich oft gewarnt und in einem Fall hat eine mir unbekannte Person am Telefon eine "Weissagung" ausgesprochen, den Widerstand aufzugeben und sich neu dem heiligen Geist hinzugeben, wie es die Charismatiker verstehen. Seltener, aber doch immer wieder werden Menschen vor der charismatischen Bewegung bewahrt und nehmen meine Aussagen zum Anlass, Abstand von dieser Bewegung zu nehmen, worüber ich Gott sehr dankbar bin. Aber "eingefleischte Pfingstler und Charismatiker" beziehen sofort eine Gegenposition und lassen sich durch diese Artikel nicht von ihrem Weg abbringen. Gewiss haben diese Erfahrungen auch einige Leser meiner Artikel bzw. des Buches auch erfahren, die sie ihren charismatischen Freunden, Bekannten und Verwandten weitergegeben haben. Ein großes Problem ist, dass sich in dieser Diskussion Lehren, Erfahrungen und die Persönlichkeit kaum voneinander trennen lassen, und die Diskussion auf beiden Seiten unsachlich, emotional und sich gegenseitig verletzend wird.

 

Diese Anfragen habe ich zum Anlass genommen, um der charismatischen Bewegung Fernstehende Empfehlungen weiterzugeben, wie sie mit Pfingstlern und Charismatikern umgehen sollen und auch zu erklären, weshalb so viel Widerstand gegen kritische Anfragen der Bewegung gegenüber hervorgebracht werden. Ehrlich gesagt habe ich erwartet, dass ich mir mit den Artikeln sowie meinem Buch mir unter den Charismatikern nicht viele Freunde mache. Hätte ich vor 15 Jahren so ein Buch in die Hand genommen, ich wäre ebenso heftig dagegen angegangen, wie ich es derzeit von vielen Charismatikern erfahre. So kann ich den heftigen Widerstand der Charismatiker gegen kritische Anfragen durchaus verstehen.

 

Sind Charismatiker und Pfingstler gläubig ?

 

Ehrlich gesagt, diese Frage kann man nicht einfach pauschal beantworten. Von einigen Charismatikern bin ich überzeugt, dass sie dem Herrn nachfolgen, aber an manchen Punkten irregeleitet sind, wie ich es auch war, bei anderen habe ich meine Fragezeichen. Aber die Frage, ob jemand errettet ist oder nicht, hängt nicht davon ab, in welche Gemeinde jemand geht bzw. welchem Lehrsystem jemand folgt. Die korrekte Lehre über den Herrn Jesus Christus ist ein Kriterium zur Errettung, aber nicht das einzige ! Ich empfehle zu dieser Frage den Artikel: "Wie kann man wissen, ob man errettet ist ?" (siehe: http://www.bibelkreis.ch) . Im Wesentlichen ist jemand dann errettet, wenn:

 

1. Er erkennt, dass Gott als der Schöpfer einen Anspruch auf sein Leben hat, dass der Sinn des Lebens darin besteht, dass er zur Ehre des Schöpfers lebt.

2. Er erkennt, dass er ein Sünder ist und Gott aus eigener Kraft nicht gefallen kann

3. Er glaubt, dass der Herr Jesus Christus für ihn die Strafe am Kreuz getragen hat, die er verdient hat

4. Er sein Leben dem Herrn Jesus Christus übergeben hat und ihn als Herrn und Erlöser in sein Herz aufgenommen hat.

5. Er aus Wasser und Geist wiedergeboren ist.

6. Er gute Werke tut, die aus seinem Glauben an den Herrn Jesus Christus heraus mehr oder weniger automatisch folgen. Man ist nicht errettet aus Werken, aber geschaffen zu guten Werken (Eph. 2;8-10)

 

Treffen diese Kriterien auf einen Pfingstler bzw. Charismatiker zu, so ist er gläubig. Wir sollten uns hüten, vorschnell zu verurteilen und zu richten, sondern uns und andere anhand der in der Schrift gegebenen Kriterien die eigene Errettung bzw. die des anderen zu überprüfen, insbesondere aus dem ersten Johannesbrief.

 

Was haben Pfingstler und Charismatiker, was wir nicht haben ?

 

Ich kenne einige aus der charismatischen Bewegung, die aus evangelikalen Gruppen dazugestoßen sind. Sie erzählten uns (ich war ja damals auch dabei), dass es bei uns Leben gab, was in der Gruppe, aus denen sie kamen, nicht in der Form vorhanden war. Leider ist es tatsächlich so, dass die praktische Seite der Jüngerschaft in vielen rechtgläubigen, evangelikalen Gruppen weniger Bedeutung hat als bei Pfingstlern und Charismatikern. Wo eine Not in der Welt ist, da sind die Charismatiker zuerst da. Außerdem sind viele Charismatiker in Randgruppenarbeit (u.a. Teen Challenge), Hilfe für arme und verfolgte Geschwister in anderen Ländern (z.B. Hilfswerk Samariterdienst, Aktionskomitee für verfolgte Christen, Helimission, usw.) engagiert. Das "charismatische Fußvolk" spendet sehr viel, nicht nur für vermeintliche "Gottesmänner", die die Hand aufhalten, sondern auch für soziale Dienste. So war es in meiner damaligen Pfingstgemeinde durchaus üblich, 10-20 % seines Einkommens zu spenden, und so weit ich Einblick hatte, wurden die Gelder meistens ähnlich wie bei der Brüdergemeinde in Missionswerke und soziale Dienste gespendet. Zwar musste auch der Pastor bezahlt werden, aber er schwamm nicht gerade im Geld. Zwar missbrauchen einige einflussreiche Charismatiker die Spenden, die sie erhalten, aber im Großen und Ganzen wird das gespendete Geld durchaus sinnvoll eingesetzt. In den Kreisen, in denen ich war, wurden Außenstehende und Gäste oft herzlich aufgenommen und so angenommen, wie sie sind. Ich erinnere mich selbst immer wieder gerne an schöne Zeiten zurück, wo wir gemeinsam gelacht, geweint, gesungen und zusammen gearbeitet haben. Es war nicht alles schlecht.

 

Diese Herzlichkeit ist leider in vielen rechtgläubigen Gemeinden nicht selbstverständlich. Wenn man davon überzeugt ist, die korrekte Lehre zu haben, neigt man dazu, dass man alles zu haben meint, was man braucht. Aber der Herr Jesus betont insbesondere in den Sendschreiben an Ephesus, dass zur Jüngerschaft mehr dazugehört als Rechtgläubigkeit. Wenn nun Menschen aus unserer Mitte hinweg sich von Charismatikern angezogen fühlen, dann sollten wir uns ernsthaft selbstkritisch voreinander und vor Gott überprüfen, ob es in unserer Mitte an Liebe und Herzlichkeit mangelt (1. Joh. 3;10-19). Haben wir vielleicht zwar die Lehre, sind aber dennoch leer ? Leben wir das, was wir gelehrt bekommen ? Sind wir wahrhaftige Jünger dessen, der sich für nichts zu schade war und der für jeden in Not ein offenes Ohr hatte ? Wenn wir die Schafe nicht weiden können, dann werden sie sich eine andere Weide suchen.

 

Gott lässt Parteiungen zu, damit die Rechtschaffenden offenbar werden

 

Ich wäre selbst fast daran gescheitert, dass viele Menschen die Bibel so auslegen, wie es ihnen gerade passt. So habe ich mich oft gefragt, weshalb es so viele verschiedene Lehren, Meinungen und Richtungen gibt, die sich einander heftigst widersprechen und alle begründen ihre Ansichten mit der Bibel in der Hand. Nenne mir eine Lehre und ich gebe dir hierzu einen Vers der Bibel, der diese Lehre bestätigt. Es ist manchmal unbegreiflich, welche Schriftstellen herangezogen werden, um die abstrusesten Lehren zu belegen. So wird z.B. mit 1. Kor. 15;29 die mormonische Praxis gerechtfertigt, sich stellvertretend für verstorbene Angehörige taufen zu lassen. Diese Liste lässt sich endlos fortsetzen. Es ist Gottes Gnade, dass ich dabei blieb, denn ich durfte durch hilfreiche Literatur ("Die Bibel im Test" von Josh McDowell) erkennen, dass die Bibel selbst glaubwürdig ist. Man darf jedoch nie den Zusammenhang der Schrift aus dem Auge verlieren und sollte sich möglichst hüten, Verse isoliert vom Zusammenhang her anzuwenden.

 

Mittlerweile denke ich, dass Gott Missverständnisse, Spaltungen und falsche Lehren zulässt, damit die Rechtschaffenden offenbar werden (1. Kor. 11;19). Wir sind selbst herausgefordert, uns immer wieder selbst zu überprüfen, ob wir noch auf dem richtigen Pfad sind. Wir sind nicht Teil der Wahrheit, sondern wir werden bestenfalls von der Wahrheit geprägt. Jeder von uns steht außerhalb der Wahrheit und werden von ihr herausgefordert. So sind wir immer wieder aufgefordert, uns immer wieder neu am Wort Gottes auszurichten und uns zu bemessen.

 

Aber nicht jedermann ist hierzu bereit. Manche lieben die Finsternis mehr als das Licht, denn im Licht würde offenbar werden, dass ihre Werke böse sind, wie es der Herr dem Nikodemus in Joh. 3;19-21 bezeugt. Es sind nicht nur die offensichtlich "weltlichen" Dinge, die vom Fleisch sind, sondern es gibt auch "frommes Fleisch", welches in scheinbarer Demut auf das eingeht, was er in Visionen geschaut hat bzw. was "ihm der Herr hier und da zeigt", die anderen mit Menschengeboten, die nicht in der Bibel gedeckt sind, belastet, geistliche Steckenpferde reitet und seine größte Vorliebe darin besteht, die "abgefallene Christenheit" durch den Kakao zu ziehen. Wer der Wahrheit nicht glaubt, dem sendet Gott einen wirksame Kraft des Irrwahns (2. Thes. 2;11-12). Wer ständig halsstarrig ist, selbstbezogen und sich nicht ermahnen lässt, den lässt Gott oftmals in den Irrtum laufen. Tragischerweise meint er vielleicht sogar noch, "zu den letzten Treuen zu gehören". Wir können ihn dann leider nicht aufhalten.

 

Ein Verirrter ist sachlichen Argumenten gegenüber nicht zugänglich

 

Egal mit wem wir reden: Wir mögen die besten Argumente haben, aber ständig fällt unserem Gegenüber etwas Neues ein, mit dem er seine Einstellung entschuldigt oder gar uns von ihr überzeugen will. Wir können kaum eine Frage beantworten, schon wird uns eine Frage gestellt, die mit dem bis dahin besprochenen Thema nichts zu tun hat, sondern uns nur dazu bringt, dass wir uns immer im Kreis drehen. Derartige Diskussionen führen oftmals zu nichts und sollten vermieden werden.

 

Der Mensch ist eben kein Computer, den man in einer bestimmten Weise programmiert und dann immer weiter den vorprogrammierten Weg beschreitet. Wir können die Fragen des Lebens nicht immer auflösen wie eine mathematische Gleichung, denn der Mensch besteht nicht nur aus dem Verstand, sondern macht Erfahrungen, hat Gefühle und ist in einer Weise durch sein Leben und seine Beziehungen geprägt. Auch werden Begriffe je nach persönlicher Erfahrung und Prägung mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt. So mag z.B. jemand mit dem Begriff: "Vater" eine gute Erinnerung an einen gütigen, liebevollen, aber auch konsequenten Vater haben, während andere mit "Vater" eher schreckliche Erinnerungen an einen grausamen, herrschsüchtigen und egoistischen Vater verbindet. Je nach lehrmäßiger Prägung werden Begriffe wie: Sünde, Glaube, Gnade, Erlösung, Buße mit unterschiedlichen Inhalten verknüpft. Während der Durchschnittsbürger unter "Sünde" versteht, z.B. bei rot über die Ampel zu fahren oder während der Diät ein Stück Torte zu essen, bezeichnet die Bibel mit "Sünde" den Zustand der Trennung des Menschen von Gott. Das macht Gespräche nicht unbedingt einfacher.

 

Der Mensch ist nicht zu jederzeit bereit, Wahrheiten anzunehmen. Ich selbst habe als Charismatiker viel kritische Literatur gelesen, doch perlten die Argumente an mir ab wie Wasser an einer Ente, weil ich innerlich noch nicht dazu bereit war, die Argumente aufzugreifen, mich damit auseinanderzusetzen und die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. So schloss ich messerscharf, was nicht sein kann, was nicht sein darf und zog meine "Standardargumente" hervor, dass das alles so nicht stimmen kann, wie ich gelesen hatte bzw. wie es mir gesagt wurde. Ich sagte als Charismatiker damals meiner Frau, dass wenn sich herausstellen sollte, dass das, was ich empfangen habe, nicht von Gott ist, mein geistliches Leben zusammenfallen würde, wie ein Kartenhaus. Ich war lange Zeit, ehrlich gesagt zu stolz für diese Konsequenz.

 

Warum hält ein Charismatiker an seinen Lehren fest ?

 

Während die Nichtcharismatiker sich sorgen, dass der Geist in der charismatischen Bewegung nicht der heilige Geist ist, sorgt sich der Charismatiker um uns, dass wir den heiligen Geist bremsen, betrüben, gegen ihn arbeiten oder gar lästern. Den Vorwurf, mit meiner Kritik die unvergebbare Sünde getan zu haben, musste ich mir vereinzelt anhören. Die biblischen Hauptargumente für die charismatische Sicht sind im Allgemeinen:

 

Mk. 16;17: Diese Zeichen aber werden denen folgen, die glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden, werden Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden

 

Apg. 10;44-46a: Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, so viele ihrer mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich, daß auch auf die Nationen die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen worden war; denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott erheben

 

1. Kor. 14;2: Denn wer in einer Sprache redet, redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand versteht es, im Geist aber redet er Geheimnisse.

 

1. Kor 14;4a: Wer in einer Sprache redet, erbaut sich selbst

 

1. Kor 14;5a: Ich möchte aber, dass ihr alle in Sprachen redet

 

1. Kor. 14;18: Ich danke Gott, ich rede mehr in Sprachen als ihr alle.

 

Wer sich mit Charismatiker auseinandersetzt, sollte diese Stellen kennen und verstehen. Es würde den Rahmen des Artikels sprengen, wenn ich versuche, diese Stellen einzeln zu erklären. Insgesamt und insbesondere in 1. Kor. 14 ist es jedoch wichtig, den Gesamtzusammenhang zu betrachten, wodurch die hier zitierten Verse und Halbverse in einem anderen Licht erscheinen. Es würde den Rahmen eines Artikels sprengen, wenn ich im einzelnen auf diese Verse eingehe, deshalb empfehle ich hierzu gute Bibelkommentare wie z.B. den zweibändigen Kommentar zum Neuen Testament von William MacDonald sowie das Buch: "Zungenreden aus biblischer Sicht" von Ralph Shallis. Unter den Nicht- Charismatikern ist die Unkenntnis über diese Stellen leider sehr groß, so dass ich als Charismatiker viele Diskussionen "gewonnen" habe und sogar jemanden aus der Brüdergemeinde überredet habe, Charismatiker zu werden. Um Charismatiker zu entgegnen, sollte man nicht nur Warnliteratur wie mein Buch bzw. z.B. die von Wolfgang Bühne lesen, sondern in der Schrift gefestigt und gegründet sein.

 

Es war aber für mich nur die Gnade Gottes und besondere Lebensumstände, die mich dazu brachten, mich objektiv mit diesen Stellen auseinanderzusetzen und sie nicht nur als Argumente für meine damalige Sicht zu gebrauchen. In der Gemeinde besprachen wir nacheinander in der Bibelstunde die Apostelgeschichte und anschließend die beiden Korintherbriefe, was mir half, mich detailliert mit den entsprechenden Stellen auseinanderzusetzen. Es war für mich ein Prozess, der bald zwei Jahre dauerte, so darf man sich nach einem Gespräch mit einem Charismatiker nicht entmutigen lassen, wenn er nicht auf die kritischen Argumente eingeht. Die Gründe sind meiner Erfahrung nach wie folgt:

 

1. Angst, die unvergebbare Sünde zu begehen

 

Alleine der Gedanke, ich könnte einmal ein Anticharismatiker werden und gegen den heiligen Geist arbeiten, ließ mich als Charismatiker erschaudern. Ich war damals der Meinung, wer sich als Charismatiker von seiner Geistestaufe bzw. den Geistesgaben lossagt und fortan behauptet, die sind nicht von Gott, der begeht die Sünde gegen den heiligen Geist. Würde ich also heute dem "Fritz Wolf vor 15 Jahren" begegnen, so würde dieser behaupten, dass ich die Sünde gegen den heiligen Geist begangen habe. So sah ich als Charismatiker durchaus auch einzelne Unstimmigkeiten wie manche Irrlehren, Trend zur Ökumene, falsch verstandener Glaube als in sich eigenständige Kraft, usw., aber aus der Angst, die unvergebbare Sünde zu begehen, wagte ich es nicht, die charismatische Bewegung grundsätzlich in Frage zu stellen.

 

2. Menschenabhängigkeit und Menschenfurcht

 

Die Abhängigkeit von Menschen ist in charismatischen Kreisen leider teilweise sehr groß. Es wird untereinander oft die Frage gestellt, was dieser oder jener davon halten würde, wie man denkt und handelt. Menschenwort hat in charismatischen Kreisen oft ein bedeutendes Gewicht, bis dahin, dass man Worte bestimmter Leiter nie kritisieren darf. Tut man es dennoch, so wird man ermahnt, den Gesalbten Gottes nicht anzutasten. So enden Diskussionen oftmals mit der Aussage: "Bruder xy hat hierzu das und das gesagt" und das gilt faktisch als das Wort Gottes. Zu allen Lebensfragen hat der "gesalbte Leiter" seine Standardantwort, ob es nun um Heilsgewissheit, Endzeitfragen oder um Familienplanung geht. Durch Kritik an anderen Christen und Gemeinden halten die "gesalbten Leiter" ihre Schar beisammen, die sich selbst für die Elite Gottes halten. Kritik wird wie bei Sekten im Allgemeinen nur von Menschen innerhalb des Systems angenommen, da man so geprägt ist, dass die, die außerhalb des Systems sind, i.A. nur falsch reden können, besonders, wenn sie die herausragende Stellung des "Gesalbten" in Frage stellen.

 

Nicht alle Charismatiker leben in derartigen Sekten, jedoch haben besondere "Gabenträger" einen gehörigen Respekt. Da ich weissagte, hatte ich auch meine "Fans", bei denen mein Wort ein beträchtliches Gewicht hatte. Niemand wagt es, jemanden zu kritisieren, bei dem angeblich Tausende zum Glauben kommen, Menschen wunderbar geheilt werden und der oft vor Zehntausende spricht. So sagte ich mir selbst, wer bin ich kleine Wurst, dass ich diesen großen Gottesmann in Frage stelle ? Ein geflügeltes Wort von mir war oft, dass da, wo Gott handelt, der Mensch schweigen muss. Ich erlebte anscheinend große Salbung und "die Gegenwart Gottes" durch Geistesgaben insbesondere in Gruppen, wo es nicht nach meinem Bibelverständnis zuging. So kam ich mir vor, wie die Apostel, die damit konfrontiert wurden, dass auf die Heiden der Geist Gottes ausgegossen wurde, wenn ich mit katholischen Charismatikern konfrontiert wurden, die an die Transsubstitutionslehre glaubten (d.h. die Hostie wird während der Messe buchstäblich in den Leib Jesu verwandelt).

 

3. Das geistliche Leben würde zusammenbrechen wie ein Kartenhaus

 

Das sagte ich meiner Frau, dass das passiert, wenn sich herausstellen würde, dass das, was ich empfangen habe, nicht von Gott ist. Wenn die Zungengabe, die ich empfange, nicht von Gott ist, von wem ist sie dann ? Habe ich alle diese Jahre in den Wind geredet ? Wenn ich nicht im Namen des Herrn geweissagt habe, in wessen Name habe ich dann geweissagt ? Ich gab meine ganze Jugendzeit, als ich meine größte Energie hatte, für diese Dinge hin. Ich wollte es einfach nicht wahrhaben, dass das alles falsch sein sollte. Aber am Ende wollte ich lieber in diesem Leben auf der Erde die Illusion aufgeben als erst in der Ewigkeit desillusioniert zu werden. Besser ich erkenne jetzt, dass ich auf Holz, Heu und Stroh gebaut habe, als dass in der Ewigkeit alle meine Werke verbrennen.

 

Wenn es nun schon für mich, der ich kaum eine Zuhörerschaft hatte, so viel bedeutet hatte, wie viel tiefer würde ein Benny Hinn, Reinhard Bonnke, Siegfried Müller, Peter Wenz, usw. fallen, wenn sie erkennen würden, dass das, was sie empfangen haben, nicht von Gott ist. Sie würden sogar ihre wirtschaftliche Grundlage verlieren, denn sie haben ihr Leben lang nichts anderes gemacht als vor Tausenden regelmäßig zu predigen bzw. eine der charismatischen Megagemeinden zu leiten. Möglicherweise haben sie durch ihren Dienst ein beträchtliches Einkommen, das sie auf einen Schlag verlieren würden, würden sie vom charismatischen Weg umkehren. Vielmehr jedoch verlören sie ihre Anerkennung. Was wäre z.B. Benny Hinn, wenn er sich von der charismatischen Bewegung abwendet, sich von seinem Dienst, seiner Gemeinde und seinen Büchern distanziert und bekennen würde, dass sein Dienst nicht von Gott war und er sich das alles nur eingebildet hat ? Er würde möglicherweise zunächst in einem McDonald Hamburger verkaufen. Es bedarf wahrhaft viel Gnade von Gott, wenn ein so Verirrter den Weg zur Wahrheit findet.

 

Was können wir tun ?

 

Gebet

 

Das erste und wichtigste, was wir tun können, ist das Gebet. Gott kann auch in verstockte Herzen sprechen, in die wir längst keinen Zugang haben. Es bedarf Gottes direktes Eingreifen, um einen Irregeleiteten herauszuführen, so war es auch bei mir. Auch ich habe nicht durch logische Schlussfolgerungen erkannt, dass ich auf dem Holzweg war, sondern weil ich merkte, dass gewisse Dinge nicht so funktionierten, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Erst durch Nöte und Anfechtungen kam nach und nach die Bereitschaft, mich kritischer mit mir selbst und meinen Ansichten auseinanderzusetzen. Es wurde für mich bestimmt eine Menge gebetet. Das Gebet des Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist. Deshalb kann ich es insbesondere dann empfehlen, wenn uns Nahestehende in der charismatischen Bewegung sind.

 

Wir kämpfen nicht gegen Fleisch und Blut, so dass es immer wieder nötig ist, zum Herrn zu kehren. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch unsere Erkenntnis nur Gnade ist und wir nichts aus uns selbst vermögen. Wenn der Charismatiker ein Bruder im Herrn ist, dann sollten wir ihn auch so behandeln und können auch gemeinsam beten. Es ist mir trotz allem notwendigen Widerspruch zur Lehre und zur Praxis wichtig, den Menschen so anzunehmen wie er ist. Charismatiker sind oftmals sehr aufrichtige Menschen, die den Herrn Jesus ernsthaft nachfolgen wollen. In Demut, Gebet und im Blick auf den Herrn Jesus können wir ihn gewinnen.

 

Den Herrn Jesus erheben

 

Der Hauptunterschied zwischen wahrer Lehre und falscher Lehre ist: Falsche Lehre erhebt den Menschen und erniedrigt den Herrn, wahre Lehre erhebt den Herrn und erniedrigt den Menschen. Jeder Irrtum, sei es innerhalb oder außerhalb der charismatischen Bewegung lässt sich darauf zurückführen, dass der Mensch im Mittelpunkt gestellt wird. Entweder wird der "gesalbte Leiter" erhoben oder den Zuhörern wird Honig um den Bart geschmiert. Der Herr Jesus ist hier aber nur Mittel zum Zweck. Seine Autorität wird missbraucht, um menschliche Autorität zu erheben, so dass es den Anschein hat, dass man Gott angreift, wenn man den "Gesalbten" kritisiert. Menschliche Erkenntnis wird über das Wort Gottes gestellt, indem man dem "gemeinen Volk" nicht zubilligt, das Wort Gottes selbst zu verstehen, sondern dies autorisierter Auslegung bedarf.

 

So setzen sich die Apostel Paulus und Johannes in der Form den Irrlehren ihrer Zeit auseinander, dass sie ihr das Wesen und die Lehre des Herrn Jesus gegenüberstellen. Wir erfahren kaum etwas über das Wesen der Irrlehre der damaligen Zeit direkt aus der Schrift, weil sich die Apostel nicht die Mühe machten, die Kernaussagen dieser Lehren vorzustellen und biblisch zu entgegnen, wie das in der heutigen Aufklärungsliteratur üblich ist. Wir brauchen bei einer Rechenaufgabe nur das richtige Ergebnis zu kennen, um falsche Ergebnisse zu unterscheiden. Ebenso reicht es aus, dass wir die richtige Lehre über den Herrn Jesus kennen, um falsche Lehren unterscheiden zu können.

 

Es lohnt sich, sich in der Auseinandersetzung mit Irrtümern mit dem Kolosserbrief und dem ersten Johannesbrief auseinanderzusetzen. Wer Christus hat, hat das Leben, wer Christus nicht hat, hat das Leben nicht. Paulus schreibt: "Seht zu, dass euch niemand einfange mit Philosophie und leerem Trug, denn in ihm wohnt die Fülle der Gottheit leibhaftig und ihr seid zur Fülle gebracht in ihm" (Kol. 2;8-10). Es folgen weitere Hinweise, was wir im Herrn Jesus geschenkt bekommen haben, und dass die scheinbare Demut der falschen Lehrer dem nicht das Wasser reichen können. Johannes beginnt seine ersten Brief mit dem Hinweis, dass er von Anfang an dabei war, er hat den Herrn Jesus gesehen, gehört und erlebt und ist nicht irgendwelchen Fabeln gefolgt. Im weiteren Verlauf des Briefes, in dem es letztendlich um die Frage geht, wie man erkennen kann, ob man ewiges Leben hat, wird immer wieder auf den Herrn Jesus verwiesen, der das ewige Leben hat.

 

So können auch wir im Kontakt mit Charismatikern immer wieder den Herrn durch Wort und Tat erheben. Ist unser Gegenüber gläubig, so wird er mit uns einstimmen und unsere Gemeinschaft hat eine Basis. Ist er aufrichtig, dann wird er feststellen, dass Gottes Geist, der durch das Wort zu ihm redet anders ist als der Geist, der in den Veranstaltungen wirkt. Auch ich erlebte diesen Gegensatz, dass der "Geist Gottes" im Gottesdienst anders wirkt als durch sein Wort, verdrängte das jedoch, weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte. Gott kann jedoch sehr wohl einen aufrichtigen Charismatiker so führen, dass er die Schwächen seiner Bewegung erkennt und entsprechende Konsequenzen zieht, auch wenn sie nicht immer so aussehen, wie wir das erwarten. Hier sollten wir Geduld haben und es dem Herrn überlassen, wie er die Menschen führt. Unsere Aufgabe ist es, auf den Herrn Jesus zu verweisen, er tut das Weitere. Dabei sollten wir demütig die Wahrheit in Liebe weitergeben. Wir sind nicht Teil der Wahrheit, sondern werden bestenfalls von ihr geprägt. Auch unsere Erkenntnis muss bestimmt noch wachsen. Es ist so einfach, sich durch Kritik an andere, auch an Charismatiker zu erheben, als sei man selbst besser. Aber auch wir sind Begnadigte im Herrn Jesus Christus und haben nichts aus uns selbst. Wir sollten vorsichtig mit zu großem Sendungsbewusstsein sein, sei es bei uns oder bei anderen. Wer sich selbst erhebt, wird erniedrigt werden und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

 

Lehre das Evangelium

 

So wie wir den Herrn Jesus erheben sollen, sollen wir auch sein Wort in seiner ganzen Breite verkündigen. Viele Lehrer pflegen ihr "geistliches Steckenpferd" wie z.B. Endzeit, Glaube, Geistesgaben, Heiligung, usw. und gehen kaum in die Breite. Auch die Gegnerschaft zu einer Lehre bzw. Bewegung kann zu so einem "Steckenpferd" werden. Einige lehren sehr stark die Heiligung, brandmarken die auch nur scheinbare Weltlichkeit der Christenheit und machen den Eindruck zu den "7000 zu gehören, die ihre Knie nicht vor dem Baal gebeugt haben". So fühlt man sich der Elite der wahrhaft Treuen zugehörig. Deshalb halte ich es für wichtig, die Bibel fortlaufend und im Zusammenhang zu lesen, sich breit zu informieren und sich nicht nur mit den eigenen "Systemvätern" auseinanderzusetzen, um zu vermeiden, dass man einseitig wird. Jeder von uns steht in dieser Gefahr, auch ich selbst will mich davon nicht ausnehmen. Gerade als ehemaliger Charismatiker neige ich dazu, nun einen Schwerpunkt in der Charismatiker-Kritik zu setzen, so dass ich letztendlich doch sehr froh über noch bestehende Kontakte zu Charismatikern bin und mein Gesprächs- und Gemeinschaftsfaden nicht abgerissen ist.

 

Auch durch Kritik an andere wird der Mensch erhoben. Es ist aber nicht unsere Aufgabe, unsere Nachbargemeinde zu kritisieren, sondern wer meint, dass er stehe, mag wohl zusehen, dass er nicht fällt. Es geht in erster Linie darum, welchen Raum der Herr Jesus in uns und durch uns hat und nicht, wenn wir uns mit anderen messen. Das wahre Evangelium hat den Herrn Jesus im Mittelpunkt, auf ihn läuft alles hinaus. So soll auch unser Anliegen sein, ihn groß zu machen wie auch Johannes, der Täufer sagte: "Er muss zunehmen, ich aber muss abnehmen".

 

Wie bereits erwähnt, ist es wichtig, sich mit dem heiligen Geist sowie den Geistesgaben wie sie in der Bibel gelehrt werden, auseinanderzusetzen. Neben der Bibel kann ich zu diesem Studium diverse Kommentare und Literatur empfehlen. Ich las z.B. einmal jeweils ein charismatisches sowie nicht-charismatisches Buch über das Zungenreden parallel und setzte mich mit den jeweiligen Argumenten auseinander. Es gibt durchaus Raum für Geistesgaben auch in unserer Zeit. Es ist nach wie vor gültig, dass sie Gott zur Erbauung der Gemeinde gegeben hat. Was mir jedoch geholfen hat, die rechten Prioritäten zu setzen ist die Häufigkeit und die Intensität, wie ein Thema in der Bibel behandelt wird. So nimmt neben der Person des Herrn Jesus Christus der Weg, wie ein Mensch gerettet wird, in der Bibel einen sehr breiten Raum ein. Ganze Briefe wie der Römerbrief und der erste Johannesbrief widmen sich alleine diesem Thema. Bei Fragen, die nur am Rand erörtert werden, sollten wir in aller Demut Gott überlassen, auch wenn sie uns Menschen wichtig sind. Gott hat eben andere Prioritäten wie der Mensch.

 

Lebe das Evangelium

 

Ebenso wichtig wie die korrekte Lehre ist auch die praktische Seite des Evangeliums. Wir sind zwar ohne Werke errettet, aber geschaffen zu guten Werken, die Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Menschen fühlen sich zu den Charismatikern hingezogen, weil die praktische Seite des Christ -seins dort im Allgemeinen eine höhere Priorität als z.B. in vielen Brüdergemeinden hat. "Lehre gut, alles gut" ist ein tragischer Fehlschluss wie Jakobus in Kap. 2 betont. Bruderliebe ist ein wichtiges Kriterium eines Geretteten, das so wichtig ist, dass sich Johannes in seinem ersten Brief 10 Verse am Stück damit auseinandersetzt (1. Joh. 3;10-19). Ich denke, dass wir an Hingabe und Opferbereitschaft, insbesondere wenn es an den eigenen Geldsack geht, von den Charismatikern lernen können.

 

Es ist nicht schwer zu verstehen, aber schwer, umzusetzen. Wie können wir als Jünger dessen, der sich selbst erniedrigte und sich selbst gab nur für uns selbst leben ? Wie passt es zusammen, wenn wir im Luxus leben während andere Christen nicht einmal das Nötigste haben ? In Gottes Augen ist Geldliebe eine so schwere Sünde wie Zauberei und Götzendienst. Es gibt zwar keine eindeutige Anweisung im Neuen Testament wie viel wir spenden müssen, aber sicherlich geben wir zu wenig, wenn unser Lebensstandard so hoch ist wie den der Ungläubigen mit dem gleichen Einkommen.

Wir können zwar nicht jedermann bewahren, da Irrlehre auch eine Art des Gerichtes Gottes ist, aber wenn wir das leben, was wir glauben und einen überzeugenden Lebensstil haben, dann werden weniger Menschen aus unserer Mitte hinweg sich falschen Lehrern anschließen.

 

Darmstadt, den 8.1.2002

Fritz Wolf